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Was sind ATC-Karten? Kleine Kunstwerke zum Tauschen und Sammeln

vor 3 Stunden
14 Min. Lesezeit

Mein erster Kunsttausch per Post und warum ich trotz Kunststudium Angst vorm Auffliegen hatte


ATC-Karten von Karina Röpcke mit Mini-Me, Fuchs und Kaffeetasse im Scheckkartenformat


Der Schlüssel klemmt ein bisschen, wie immer. Die Briefkastenklappe kippt auf. Und da liegt er: mein eigener A5-Umschlag, mit meiner Handschrift drauf, ein bisschen zerknittert von seiner Reise.

Ich öffne ihn direkt am Briefkasten. Ich kann einfach nicht warten.

Drinnen raschelt es. Neun kleine Karten, nicht größer als meine Bankkarte. Fische, Muscheln, Leuchttürme. Aquarell, Acryl, Buntstift, mit runden Ecken, gestanzt, gestempelt. Neun kleine Kunstwerke von neun Frauen, die ich nur von Instagram kannte.

So fühlt sich ein ATC-Tausch an.


Kennengelernt habe ich ATC-Karten über die Instagram-Community @artcollabfamily. Seit Juni 2025 durfte ich bei sechs Tauschrunden dabei sein und habe genau 60 dieser Mini-Bilder gezeichnet. Hier erkläre ich dir, was ATC-Karten sind, welche Regeln gelten, was du brauchst und wie der Tausch abläuft. Und ich erzähle dir, warum ich, die seit Kindertagen zeichnet, ausgerechnet bei diesen kleinen Karten mit meinem Perfektionismus gerungen habe.


Das Wichtigste in Kürze

  • ATC steht für Artist Trading Card, also Tauschkarte von Künstlerinnen und Künstlern.

  • Format: 6,4 × 8,9 cm (2,5 × 3,5 Zoll), so groß wie eine Sammelkarte.

  • Regel Nr. 1: ATC-Karten werden getauscht, nie verkauft.

  • Rückseite: Name, Thema, Instagram-Name oder Kontakt, Nummer (z. B. 2 von 10).

  • Ursprung: 1997 in Zürich, erfunden vom Schweizer Künstler M. Vänçi Stirnemann.

  • Technik: alles ist erlaubt, von Fineliner über Aquarell bis Collage oder digital.

  • Tauschen kannst du bei Treffen, in Tauschrunden per Post, in Foren oder in Instagram-Collabs.

  • Zeitaufwand bei mir: 30 bis 60 Minuten pro Karte, inklusive Beschriften und Fotografieren.



Inhaltsverzeichnis




Was ist eine ATC-Karte?


Eine ATC-Karte (Artist Trading Card) ist ein kleines, handgemachtes Kunstwerk im Format 6,4 × 8,9 cm, das zwischen Kreativen getauscht und nie verkauft wird. Sie ist genauso groß wie eine Sammelkarte. Ich sage gern: Kunst im Scheckkartenformat.

Was drauf ist, entscheidest du. Eine Zeichnung, ein Aquarell, eine Collage, ein Stempeldruck oder etwas Digitales. Oft gibt es ein gemeinsames Thema, zum Beispiel „Meer“ oder „Winter“. Und das Schönste: Du gibst deine Kunst weg und bekommst dafür die Kunst anderer zurück.


ATC-Karte von Karina Röpcke als Mini-Me zum Thema Frühling: Handgezeichnetes Mädchen im Bad, traurig mit gesenktem Blick, vor Kalender mit FEB und Spiegel mit YOU’RE PERFECT.

Meine Lieblings-ATC-Karte aus der Frühlings-Kollektion mit meinem Mini-Me.



Woher kommen ATC-Karten?


ATC-Karten wurden 1997 in Zürich vom Schweizer Künstler M. Vänçi Stirnemann erfunden. Er nannte das Ganze eine „kollaborative kulturelle Performance“ und lud zu Tauschtreffen ein, bei denen Karten von Hand zu Hand gingen (Quelle: Wikipedia).

Die Idee dahinter mag ich sehr: Kunst ohne Geld, ohne Galerie, ohne Bewertung. Einfach Mensch zu Mensch. Von Zürich aus hat sich das Format um die ganze Welt verbreitet, und heute wird auch über die Post und Instagram getauscht.


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Wie groß ist eine ATC-Karte und was gehört auf die Rückseite?


Eine ATC-Karte ist immer 6,4 × 8,9 cm groß (genau 2,5 × 3,5 Zoll), egal ob hoch oder quer. Diese Größe ist fest, damit alle Karten in die üblichen Sammelkartenhüllen und Alben passen.

Auf die Rückseite gehören die Infos zu dir und deiner Karte. In unserer Gruppe schreiben wir:


  • das Thema

  • den Namen

  • den Instagram-Namen (oder einen anderen Kontakt)

  • das Datum

  • die Nummer der Karte, zum Beispiel 1 von 10


Manche haben dafür einen eigenen Stempel oder drucken die Rückseite vor. (Steht seit meiner ersten Runde auf meiner To-do-Liste. Ich arbeite dran. :-))


Rückseite einer ATC-Karte mit Name, Thema, Instagram-Name und Nummer.


Was ist der Unterschied zwischen ATC, ACEO und KAKAO?


ATC-Karten werden nur getauscht, ACEOs haben dasselbe Format, werden aber verkauft. Und KAKAO ist ein deutscher Begriff, der oft ähnlich wie ATC verwendet wird.



ATC

ACEO

KAKAO

Steht für

Artist Trading Card

Art Cards, Editions and Originals

KartenKunst, Auflagen und Originale

Format

6,4 × 8,9 cm

6,4 × 8,9 cm

6,4 × 8,9 cm

Getauscht oder verkauft?

nur getauscht

verkauft

wird ähnlich wie ATC genutzt

Entstanden

1997 in Zürich

2004 auf eBay

im deutsch-sprachigen Raum


Ehrlich gesagt hatte ich mal die Idee, meine Motive als druckbare Version anzubieten. Geschafft habe ich das bisher nicht. Wichtig ist mir aber: Die Originalkarten aus dem Tausch bleiben Tauschkarten. Drucke eigener Motive zu verkaufen ist eine ganz andere Sache.



Welche Regeln gelten beim ATC-Tausch?


Die wichtigste Regel lautet: ATC-Karten werden getauscht, nicht verkauft.

Dazu kommen ein paar Spielregeln, die für jede Runde gelten:


  1. Das Format ist fest: 6,4 × 8,9 cm.

  2. Jede Technik ist erlaubt, solange die Karte flach bleibt und in eine Hülle passt. Dicke Perlen oder Knöpfe brechen auf dem Postweg gern.

  3. Die Rückseite wird beschriftet, damit jede weiß, von wem die Karte kommt.

  4. Die Deadline gilt für alle. Sonst wartet die ganze Gruppe auf eine Person. (Ich als Deadlinesurferin weiß, wovon ich rede.)

  5. Mit Liebe gestalten. Du bekommst Karten, in die jemand Zeit und Herz gesteckt hat. Gib dasselbe zurück.

  6. Eigene Ideen statt Kopien. Fotos als Inspiration sind okay, die Umsetzung ist deine.

  7. Ausreichend frankieren und Absender drauf. Dazu gleich mehr, ich habe da so meine Erfahrung gemacht.



Wo und wie kann ich ATC-Karten tauschen?


ATC-Karten kannst du persönlich, per Post in organisierten Tauschrunden, in Foren oder über Instagram tauschen. Instagram ist nur einer von vielen Wegen. Diese Varianten gibt es:


  • Tauschtreffen von Hand zu Hand: 

    So hat alles angefangen. Du bringst deine Karten mit, schaust dir die der anderen an und tauschst direkt. Kein Porto, kein Warten, dafür echte Gespräche über Kunst.

  • Organisierte Tauschrunden per Post: 

    Eine Person übernimmt die Organisation, sammelt die Anmeldungen, legt Thema und Deadline fest und teilt die Gruppen ein. Alle schicken ihre Karten an diese Person, die sie neu mischt und die jeweiligen Stapel zurückschickt. Meist wird blind getauscht. Manche Runden finden regelmäßig statt, zum Beispiel einmal im Quartal wie bei Scrapimpulse.

  • Eins-zu-eins-Tausch: 

    Zwei Menschen tauschen direkt miteinander. Ein bisschen wie Brieffreundschaft, nur mit Kunst.

  • Foren und Communitys: 

    In Bastel- und Mixed-Media-Foren oder in der Postcrossing-Community gibt es eigene ATC-Ecken.

  • Im Kurs oder unter Freundinnen: 

    Am Ende eines Workshops, im Malkreis oder als Geburtstagsaktion. Jede malt ein paar Karten und alle gehen mit einer kleinen Sammlung nach Hause.

  • Instagram-Collabs:

    Eine Gruppe findet sich über Instagram, tauscht per Post und veröffentlicht die Karten an einem gemeinsamen Tag. So mache ich es.



Wie läuft ein ATC-Tausch auf Instagram ab?


Bei uns läuft eine Runde in zehn Schritten ab: Thema wählen, zeichnen, fotografieren, verschicken, warten, auspacken, posten, kommentieren. Meine allererste Runde war eine Pop-up-Artcollab zum Thema „Meer“ mit 10 Teilnehmerinnen, veröffentlicht am 15. Juni 2025.

Wie eine Artcollab grundsätzlich funktioniert, liest du in meinem Artikel Was ist eine Artcollab?.


  1. Thema finden: 

    Wir wählen gemeinsam ein Thema, oft passend zur Jahreszeit und zum Veröffentlichungstermin.

  2. Zeichnen: 

    Jetzt hast du Zeit für die Umsetzung. Wir haben die Zeiträume inzwischen verlängert, damit alle entspannter arbeiten können.

  3. Fotografieren: 

    Alle Karten einmal als Gruppe und jede einzeln.

  4. Rückseite beschriften: 

    Name, Thema, Instagram-Name, Datum, Nummer.

  5. Verschicken: 

    Bis zur Deadline schicke ich einen Umschlag an Anja, die bei uns alles organisiert. Darin sind mindestens 9 Karten und ein frankierter Rückumschlag. Bei 10 Teilnehmenden braucht es 9 Karten, damit jede Person am Ende Karten von den anderen erhält.

    Wer eine eigene Karte behalten möchte, gestaltet einfach 10 Karten und behält eine davon. Die übrigen 9 Karten gehen an Anja. Wer alle 10 Karten verschickt, überlässt Anja die Auswahl und bekommt eine eigene Karte zurück und 9 Karten von den anderen Teilnehmenden.

  6. Neu verteilen: 

    Anja mischt alle Karten neu und schickt jeder ihren Stapel im eigenen Rückumschlag zurück.

  7. Warten: 

    Neugier, Vorfreude, jeden Tag ein Blick in den Briefkasten.

  8. Auspacken: 

    Meistens öffne ich den Umschlag direkt am Briefkasten. Ich halte es einfach nicht aus.

  9. Wieder fotografieren: Jede neue Karte einzeln und alle zusammen als neue Gruppe. In einer App ( ich nutze Snapseed oder direkt Instagram) schreibe ich die Instagram-Namen der Künstlerinnen dazu. Das machen nicht alle, ich finde es aber schöner.

  10. Gemeinsam veröffentlichen: 

    Am vereinbarten Tag posten alle gleichzeitig. Bei mir zuerst meine eigene Gruppe, dann die Einzelbilder der anderen und ein Foto der neuen Gruppe. Dazu kommt der Text, den Anja uns vorschreibt, und ganz wichtig: Alle werden verlinkt.


In den Tagen danach poste ich meine eigenen Einzelbilder, mache aus dem Karussell-Post eine Story und schaue bei den anderen vorbei.


Kommentieren gehört dazu. Ich like und kommentiere die Bilder der anderen und antworte auf die Kommentare unter meinen Karten. Aus Wertschätzung für die anderen, die genauso viel Zeit und Liebe in ihre Karten gesteckt haben. Ja, es hilft auch der Reichweite und dem Algorithmus. Aber vorallem geht es mir um die Kunst und das Machen an sich.


Bei uns gilt: keine Musik. Nicht jede nutzt lizenzfreie Musik, und selbst wenn ein Song für mich freigegeben ist, heißt das noch lange nicht, dass er das auch für alle anderen Künstlerinnen ist, deren Karten im Beitrag zu sehen sind. Also lassen wir es einfach. Die Karten sprechen ja für sich.


Kleine Anekdote zum Porto: Beim letzten Mal war mein Rückumschlag nicht ausreichend frankiert. Er kam trotzdem an, weil mein Absender draufstand. Puh, Glück gehabt! Auf dem Umschlag stand der Hinweis, dass er als Großbrief hätte verschickt werden müssen. Seitdem weiß ich: Beim Porto kommt es nicht nur auf das Gewicht an, sondern auch auf die Maße und die Dicke des Umschlags. Ein Großbrief kostet aktuell 1,80 € (Stand 2026).


  • ATC-Motive kreieren
  • Auswahl treffen
  • ATC-Karten zuschneiden
  • Rückseite beschriften
  • ATC als Gruppe fotografieren
  • ATC einzeln fotografieren

  • Meine ATC-Karten
  • Die ATC-Karten von allen 10 Künstlerinnen



Welche Themen hatten wir bisher?


Seit Juni 2025 hatten wir sechs Themen, eins pro Jahreszeit. Bei 10 Karten pro Runde sind das genau 60 Karten, die ich gezeichnet habe.


Veröffentlicht

Thema

Meine Umsetzung

15.06.2025

Meer

Surferinnen, meine allerersten ATC-Karten

28.09.2025

Wald

Waldtiere

07.12.2025

Winter

Meine ersten Mini-Me-Karten: Dinge, die ich im Winter liebe

15.03.2026

Frühling

Dinge/ Tiere, die mich an Frühling erinnern

14.06.2026

Wassermelone

Die einzige Runde in Rot-Grün statt Braun-Beige

13.09.2026

Pilze und Waldschätze

Fliegenpilze in Kombi mit Waldieren und Waldschätzen



  • Thema: Meer
  • Thema: Wald
  • Thema: Winter
  • Thema: Frühling
  • Thema: Wassermelone
  • Thema: Pilze & Waldschätze

Mein Lieblingsthema war Winter. Diese Karten liebe ich bis heute. Diesen Winter mache ich zum ersten Mal eine ATC-Pause, weil meine eigenen Projekte Vorrang haben und die Weihnachtszeit bei mir jedes Jahr ganz schön stressig ist. Ja, auch ich lerne. Beim nächsten Mal bin ich wieder dabei.



Welches Material brauche ich für ATC-Karten?


Für ATC-Karten reichen festes Papier, ein Stift, etwas zum Schneiden und zwei Umschläge. Alles andere ist Kür. So sieht meine persönliche Materialliste aus:


  • Papier: Block von Boesner im Format 15 × 15 cm. Aus einem Blatt bekomme ich 2 Karten, für eine Runde brauche ich also 5 Blätter.

  • Bleistift und Radiergummi: Ich zeichne IMMER alles vor. Sobald der Fineliner drauf ist, radiere ich die Vorzeichnung wieder weg.

  • Fineliner in Stärke 0,05: der Pigmentliner von Boesner, der Copic Multiliner 0.05 oder der Pigma Micron 005 in der Farbe schwarz.

  • Tuschemarker: Faber-Castell Pitt Artist Pen Brush (pigmentierte Zeichentusche) in meiner geliebten Braun-Beige-Palette.

  • Lineal & Cutter: Dafür habe ich mir extra einen neuen Cutter gekauft. Mit einer stumpfen Klinge franst das Papier aus (besser wäre eine Schneid-oder Stanzmaschine).

  • Schneideunterlage: Ich nehme einfach die Kartonrückseite meines Zeichenblocks.

  • 2 Umschläge in A5 und Briefmarken: einer für den Hinweg, einer als Rückumschlag. Ordentlich frankieren!

  • Zeit, Liebe, ein schönes Thema und ganz viel Lust darauf.


Meine Lieblingsfarben aus der Pitt-Reihe


Nummer

Farbname

Wofür ich sie nutze

114

Pale Pink (Zartrosa)

einer meiner zwei Lieblinge

132

Beige Red (Beigerot)

IMMER für Mini-Me-Haare und Bäckchen :-)

175

Dark Sepia (Dunkelsepia)


186

Terracotta


188

Sanguine (Rötel)


189

Cinnamon (Zimt)


192

India Red (Indischrot)



Wenn du nicht selbst zuschneiden magst, gibt es fertig zugeschnittene ATC-Rohlinge aus Aquarell- oder Mixed-Media-Karton. Bei meiner ersten Runde war ich fasziniert, wie professionell manche Karten der anderen waren: eigens dafür gekauftes Papier, runde Ecken, gestanzte Kanten, gestempelte Rückseiten. Meine waren selbst geschnitten. Und das ist völlig okay.

Zum Aufbewahren eignen sich Sammelkartenalben mit 9er-Taschen, wie für Fußballbilder. Meine Karten leben noch in einer Box. Ich bin auf der Suche nach einem schönen Sammelalbum, so wie es sich eben gehört.



Wie lange dauert es, ATC-Karten zu gestalten?


Ich brauche für eine ATC-Karte 30 bis 60 Minuten, inklusive Vorzeichnen, Ausmalen, Beschriften und Fotografieren. Für eine Runde mit 10 Karten sind das also 5 bis 10 Stunden. Das ist bei jeder anders.

Und genau das habe ich bei meiner ersten Runde völlig unterschätzt. Ich zeichne normalerweise auf den letzten Drücker. Für eine normale Artcollab zeichne ich ein Bild, mache ein Foto, lade es bei Instagram im Format 4:5 hoch, fertig. Bei ATC-Karten sind es plötzlich 10 Mini-Bilder. Dazu das Fotografieren als Gruppe und einzeln, das Beschriften, der Weg zur Post.

Geschafft habe ich es trotzdem jedes Mal. Meistens „kurz vor der Angst“, wie ich so schön sage. Ich bin nun mal eine Deadlinesurferin. (Sorry, Anja!)



Warum hatte ich trotz Kunststudium Angst vorm Auffliegen?


Weil das kleine Format meinen Perfektionismus geweckt hat und weil meine Karten bei anderen Menschen zu Hause landen, wo sie ganz genau angeschaut werden können.

Bei Artcollabs kommen meine Bilder nach dem Posten in eine kleine Box zu den anderen. Ich bin irgendwann aus reinen Platzgründen auf 15 × 15 cm umgestiegen. Bei ATC-Karten ist alles anders. Viel kleiner. 9 bis 10 Bilder statt einem.

Das Gefühl, dass jemand anderes mein Bild zu Hause hat und es sich ganz genau anschauen kann, war schon komisch.

In meinen Aquarell-Workshops empfehle ich immer, mit einem kleinen Format zu beginnen. Keine Angst vor dem großen weißen Papier. Aber so klein? Da sitzt jeder Strich. Meine Surferinnen sind am Ende unterschiedlich groß geworden, auch die Perspektive, wie sie im Bild sitzen, war jedes Mal anders.


Und dann war da diese Stimme. Die Angst vor der Bewertung. Die Angst, dass meine Tauschpartnerin genau hinschaut und merkt, dass ich gar nicht so gut zeichnen kann. Die Angst vorm Auffliegen. Und das als jemand, die zeichnet, seit sie einen Stift halten kann. Mit einem Studium in Modedesign und angewandter Kunst. Und mit dem Wissen einer Heilpraktikerin für Psychotherapie, die genau weiß, wie diese Gedanken funktionieren.

Wissen schützt eben nicht vor Gefühlen.

Als ich dann die Karten der anderen in den Händen hielt, kam natürlich der Vergleich. Aber nicht so, wie ich es befürchtet hatte. Nicht „meine sind besser“ oder „meine sind schlechter“. Sondern als Inspiration: Was kann ich mir für das nächste Mal mitnehmen? Wie kann ich mir die Arbeit erleichtern?

Ab der zweiten Runde wurde es leichter. Leichter, die Bilder loszulassen. Und leichter, die wissentlich komischen Gedanken loszulassen: Was denken die anderen? Wie werden sie meine Karten finden?



Wie wurden aus Surferinnen meine Mini-Mes?


Ich habe aufgehört, naturgetreu zu zeichnen, und angefangen, meine Mini-Mes auf die Karten zu bringen. Seitdem macht mir jede Runde so viel Freude.

Bei meiner ersten Runde zum Thema „Meer“ habe ich lange geschwankt. Meerestiere? Frauen im Retrolook? Gestreifte und gepunktete Badeanzüge? Nach einer langen Pinterest-Recherche hatte ich sogar schon die ersten Zeichnungen begonnen. Am Ende wurden es Surferinnen. Sehr naturgetreu, mit schwarzem Fineliner und Markern in einer reduzierten Farbpalette.


10 ATC-Karten von Karina Röpcke
von Surferinnen mit Surfboards am Strand; rechts liegen Marker. Unten steht @KARINAS_PINSELYOGA.

Im Dezember 2025 kam das Thema Winter. Und mit ihm meine ersten Mini-Me-ATC-Karten. Ich habe Dinge gezeichnet, die ich im Winter liebe: für Weihnachten schmücken (auch wenn das in meiner echten Welt oft zu kurz kommt), handwerklich kreativ sein, auf einer Karte töpfere ich, malen und einen Schneeengel in den Schnee machen.

Die Karte mit dem Schneeengel habe ich behalten. Sie erinnert mich an Kindheit, an Leichtigkeit, an die kleine Freude einfach zwischendurch.


Mehrere pastellfarbene ATC-Karten von Karina Röpcke mit ihren Mini-Mes: Mädchen und Füchsen auf Holztisch; gemütliche Herbst-/Wintermotive, @KARINAS_PINSELYOGA

Wenn ich ein neues Thema erfahre, lasse ich es erst mal wirken. Ich hole mir Inspiration auf Pinterest, ganz selten frage ich auch mal die KI. Vor allem aber lasse ich mich von der Natur und meinem Alltag inspirieren. Ich liebe es, die kleinen alltäglichen Dinge in meiner Kunst festzuhalten. Gern mit einer Prise Humor und einem Hauch Melancholie. Genau das verkörpern meine Mini-Mes. Sie fühlen sich an wie Kaffee: wie nach Hause kommen.

Durch sie erlebe ich die Welt.


ATC-Karte von Karina Röpcke mit ihrem Mini-Me: einer Frau im Winterpulli auf dem Sessel mit Buch und Tee, neben ihr ein Fuchs; draußen Schnee und ein Stern.


Zwei Dinge sind auf fast jeder meiner Winter-Karten:


Der Fuchs. Er ist mein Krafttier. Er steckt sogar in meinem Geburtsnamen: Ich hieß Reinecke, wie Reineke Fuchs, Goethes listiger Fuchs. Für mich ist der Fuchs leise, schlau und bedacht. In meiner Welt ist er lösungsorientiert, stets wachsam und folgt seinem Instinkt, seiner Intuition.


Die Kaffeetasse. Sie bedeutet mir gleich mehreres. Sie erinnert mich an meine große Vision „Kunst und Kakao“. Ich liebe Kakao. Und Kaffee ist für mich nicht nur ein Getränk, sondern ein Gefühl: zu Hause ankommen, Pause machen, mir Genuss erlauben. Die Tasse erinnert mich auch an meinen früheren wundervollen Nebenjob in einem Keramikmalstudio und an eine meiner großen Leidenschaften: Keramik selbst bemalen. Früher wollte ich sogar Keramikmalerin in Meißen werden.

Und dann hat sich der Kreis geschlossen: Ein Mini-Me-und-Fuchs-Motiv von einer ATC-Karte habe ich auf eine echte Keramiktasse gemalt. Aus einer Karte, die in meine Hand passt, wurde eine Tasse, die ich jeden Morgen in der Hand halte.


Handbemalte Keramiktasse mit Mini-Me- und Fuchs-Motiv von einer ATC-Karte


Farblich bleibe ich meiner geliebten Braun-Beige-Palette treu. Mit einer Ausnahme: Die Wassermelonen mussten natürlich in Rot-Grün sein.


Karina Röpckes Mini-Me: Mädchen mit Regenschirm im Regen, auf Holztablett; pinker Rand, grüne Stiefel, einfache Zeichnung ohne Text.


Warum tun ATC-Karten der Seele gut?


ATC-Karten verbinden Kreativität, Achtsamkeit und Gemeinschaft, und genau das macht sie für mich zu einer kleinen Selbstfürsorge im Scheckkartenformat. Als Heilpraktikerin für Psychotherapie schaue ich auch mit dieser Brille auf meine Karten. Das habe ich dabei erlebt:


  • Das Zeichnen beruhigt mich. Während ich zeichne, ist mein Kopf ganz auf dem Papier. Ich liebe es, die mit Fineliner gezeichneten Linien Strich für Strich auszumalen. Dabei steht das Gedankenkarussell still. Das ist auch der Grund, warum ich das manuelle Zeichnen der digitalen Welt vorziehe.

  • Ich bin aufmerksamer im Alltag. Seit ich meine Mini-Mes zeichne, sehe ich überall die kleinen Momente, die ich festhalten möchte.

  • Ich übe Loslassen. Ein Bild zu verschenken, ohne zu wissen, wie es ankommt, ist ein kleines Training gegen Perfektionismus.

  • Ich erlebe Verbundenheit. Zehn Frauen, ein Thema, zehn völlig verschiedene Umsetzungen. Ich bin jedes Mal neugierig auf die Werke der anderen.

  • Ich freue mich auf Post. Vorfreude ist ein wunderbares Gefühl, das im Alltag oft zu kurz kommt.

  • Ich bekomme Resonanz. Wenn ich meine Karten im WhatsApp-Status, auf Instagram, hier im Blog oder im Newsletter teile und eine Reaktion bekomme, ist das für mich die größte Freude.


Mit Verkaufen oder Gewinn hat das für mich nichts zu tun. Es ist die Freude am Nachdenken über die Motive, am Umsetzen und am Teilen mit den anderen Künstlerinnen und der Welt. Und wenn dann noch ein Feedback kommt: Was möchte ich mehr?

Ich glaube, genau das hatte Stirnemann 1997 im Sinn. Kunst als Begegnung, nicht als Ware.

Warum kreativer Ausdruck deiner mentalen Gesundheit guttut, liest du in meinem Artikel über Ikigai, Kreativität und mentale Gesundheit.



Ich kann doch gar nicht zeichnen. Kann ich trotzdem mitmachen?


Ja. Ich glaube, dass du das kannst.

Wir sagen ja auch nicht „ich kann nicht singen“, nur weil wir keine Profisängerin sind. Unter der Dusche singen wir trotzdem.

Es braucht nur ein bisschen Mut. Bei ATC-Karten ist alles erlaubt: Collage, Stempel, Muster, Strichmännchen, ein Mini-Me. Wenn du mit kleinen Mustern anfangen magst, schau dir mal meinen Artikel Was ist Zentangle? an. Zentangle passt perfekt auf so eine kleine Karte.

Und wie ich in fast all meinen Workshops sage: Du schaffst das.



Meine Tipps für deine erste ATC-Runde


Diese Tipps hätte ich mir vor meiner ersten Runde gewünscht:


  1. Fang früh an. 10 Mini-Bilder brauchen Zeit, plus Fotografieren, Beschriften und Post. (Sagt die Deadlinesurferin.)

  2. Zeichne in deinem Stil. Seit ich meine Mini-Mes zeichne statt naturgetreuer Motive, habe ich viel leichter Ideen und vorallem Freude.

  3. Such dir ein Erkennungszeichen. Bei mir sind es Mini-Me, Fuchs und Kaffeetasse. So wird aus vielen Einzelkarten deine Handschrift.

  4. Mach dir die Rückseite leicht. Ein Stempel oder vorgedruckte Etiketten sparen viel Zeit.

  5. Nutz fertige Rohlinge, wenn du nicht zuschneiden magst. Und wenn doch: eine scharfe Klinge.

  6. Frankiere richtig. Ein A5-Umschlag ist nicht automatisch ein Großbrief. Achte auf Gewicht, Maße und Dicke. Und schreib immer deine Absenderadresse drauf!

  7. Behalte eine Karte für dich. Die mit dem größten persönlichen Bezug.

  8. Sieh den Vergleich als Inspiration. Die Karten der anderen zeigen dir, was noch alles möglich ist.

  9. Pausen sind erlaubt. Du musst nicht jede Runde mitmachen.



FAQ: Häufige Fragen zu ATC-Karten


Darf ich ATC-Karten verkaufen? 

Nein. ATC-Karten werden nach der ursprünglichen Idee nur getauscht. Karten im selben Format, die verkauft werden, heißen ACEO.


Wie groß ist eine ATC-Karte genau? 

6,4 × 8,9 cm, also 2,5 × 3,5 Zoll. Hoch- oder Querformat ist egal.


Muss ich gut zeichnen können, um mitzumachen? 

Nein. Jede Technik ist erlaubt, auch Collage, Stempel oder Muster. Es braucht nur ein bisschen Mut.


Was steht auf der Rückseite einer ATC-Karte? Dein Name, das Thema, dein Kontakt oder Instagram-Name und die Nummer der Karte, zum Beispiel 2 von 10.


Wie verschicke ich ATC-Karten? 

In einem stabilen Umschlag, am besten mit kleinen Schutzhüllen, ausreichend frankiert und mit Absenderadresse. Ein A5-Umschlag kann je nach Gewicht, Maßen und Dicke als Großbrief verschickt werden.


Wo finde ich Tauschpartnerinnen? 

In Instagram-Communitys wie @artcollabfamily, in organisierten Tauschrunden über Blogs, in Foren, in der Postcrossing-Community oder in deinem Kreativkurs.


Kann ich ATC-Karten digital gestalten? 

Ja. In meiner ersten Runde waren auch digital gestaltete Karten dabei. Sie werden ausgedruckt und wie alle anderen per Post getauscht.


Wie lange brauche ich für eine ATC-Karte? Bei mir sind es 30 bis 60 Minuten pro Karte, inklusive Beschriften und Fotografieren.



Fazit: Kleine Karten, große Freude


ATC-Karten sind kleine Kunstwerke im Scheckkartenformat, die getauscht und nie verkauft werden. Sie sind 6,4 × 8,9 cm groß, auf der Rückseite beschriftet und können mit jeder Technik gestaltet werden.

Für mich sind sie noch viel mehr. Sie haben mir gezeigt, dass selbst ich nach Jahrzehnten mit dem Stift Angst vorm Auffliegen haben kann. Und dass diese Angst kleiner wird, sobald ich loslasse. Sie haben mir Fuchs, Kaffeetasse und meine Mini-Mes auf ein ganz neues Format gebracht. Und sie haben mir einen Briefkasten voller Vorfreude geschenkt.


Hast du Lust bekommen, dein eigenes Mini-Me auf eine ATC-Karte zu zeichnen? Mit meinem Mini-Me Starter-Kit zeichnest du deine erste kleine Figur von dir selbst. Sie passt perfekt auf eine ATC-Karte.



Freebie-Anmeldung Karina Röpcke: Dein erstes Mini-Me


Wenn du magst, schicke ich dir jeden Donnerstag meinem Newsletter mit kreativen Impulsen und kleinen Einblicken in meine Mini-Me-Welt. Trag dich gern ein.

Und wenn du deine erste ATC-Karte gestaltet hast: Markier mich auf Instagram unter @karinas_pinselyoga. Ich freue mich riesig darauf!


Alles Liebe – Karina 🤍



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Über mich

Hi, ich bin Karina Röpcke.

Ich bin Künstlerin, Bloggerin und Kreativberaterin aus Leipzig. Ich gebe Mal- und Kreativ-Workshops, illustriere für Unternehmen und liebe es vor allem, Menschen beim kreativen Arbeiten zum Strahlen zu bringen. Mit meinen Mini-Mes, kleinen gezeichneten Figuren meiner selbst, verbinde ich Kunst und mentale Gesundheit auf ganz eigene Weise. Meine Überzeugung: Jeder Mensch ist kreativ. Man muss sich nur wieder daran erinnern.

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