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Was ist ein Mini-Me? Ich zeichne mein Leben, um mein Leben

vor 23 Minuten
7 Min. Lesezeit

„Bitte, bevor wir gehen: Magst du uns noch zeigen, wie du dein Mini-Me zeichnest? Kannst du das einfach so?“

„Klar.“

Ich schnappte mir einen Bleistift. Ein Kreis, ein paar Linien, ein kleiner Körper. Und dann saß sie da auf dem Papier: meine kleine Figur mit Dutt.

Direkt nach dem Workshop sind sie zu Boesner gefahren und haben sich Material dafür besorgt.

Ich liebe sowas.

Das ist erst diese Woche passiert. Und es hat mich daran erinnert, wie oft ich gefragt werde: Was ist eigentlich so ein Mini-Me? Zeit, das einmal richtig aufzuschreiben.


Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Mini-Me ist eine kleine gezeichnete Figur von dir selbst: großer Kopf, kleiner Körper und ein paar Merkmale, an denen du dich sofort erkennst.

  • Anders als ein Selbstporträt zeigt es vorallem deine Gefühle und deine kleine Welt drumherum.

  • Ich nutze mein Mini-Me für „About the Day“, Wochenrückblicke und um meinen Ängsten einen Platz auf dem Papier zu geben.

  • Zum Anfangen brauchst du einen Bleistift, einen Fineliner und einen Kreis. Proportionen sind egal.

  • Zeichnen kannst du lernen. Wenn du denkst, du kannst es nicht, kannst du es nur NOCH nicht.



Inhaltsverzeichnis



Was ist ein Mini-Me?


Ein Mini-Me ist eine kleine gezeichnete Figur von dir selbst. Großer Kopf, kleiner Körper, ein paar Merkmale, an denen du dich sofort wiedererkennst. Und vorallem: eine Figur, die deine Gefühle sichtbar macht. Die guten wie die schlechten.

Für mich ist mein Mini-Me noch etwas anderes.

Sie ist nicht nur eine Figur. Sie ist mein Leben. Ich zeichne sie, ich zeichne mein Leben, und manchmal zeichne ich um mein Leben.

Sie zeigt, was mein Tag mit mir gemacht hat („About the Day“), sie hält meine Wochen fest, und sie trägt meine Ängste und Gedanken aufs Papier, wenn sie mir im Kopf zu schwer werden. Manchmal taucht sie auch in meinen Comics auf, zum Beispiel in Comics für die Seele.



Mini-Me, Selbstporträt oder Avatar: Wo ist der Unterschied?


Ein Mini-Me zeigt deine Gefühle und deine kleine Welt, ein Selbstporträt vorallem, wie du aussiehst.


Realistisch gezeichnetes Selbstporträt von Karina Röpcke, daneben ihr Mini-Me mit Dutt, Kaffeetasse und Leo-Leggings in Brauntönen

Mein Selbstporträt ist realistisch gezeichnet. Eine Momentaufnahme meines Gesichts, so wie es gerade eben aussieht.

Mein Mini-Me ist auch eine Momentaufnahme. Aber es zeigt zusätzlich meine kleine Welt drumherum: was ich gerade tue, was mich beschäftigt, wie es mir geht.

Der zweite große Unterschied ist der Stil. Großer Kopf, kleiner Körper, genau so, wie ich mich schon als Kind gezeichnet habe.

Und was ist mit Avataren und Bitmojis, diesen Figuren, die du dir in einer App aus Frisur, Brille und Outfit zusammenklickst? Die gibt es fertig von der Stange, mit fertigen Posen. Dein Mini-Me zeichnest du selbst. Mit deiner Hand, deinen Linien und dem, was gerade wirklich in dir los ist.



Mini-Me

Selbstporträt

Avatar oder Bitmoji

Stil

großer Kopf, kleiner Körper

realistisch

Bausteine aus einer App

Zeigt

Gefühle und deine kleine Welt

wie du gerade aussiehst

fertige Posen

Wer zeichnet

du selbst

du selbst

die App



Dutt, Strähne, Bäckchen: Woran du mein Mini-Me erkennst


Drei Dinge sind bei meinem Mini-Me nicht verhandelbar: mein Dutt, meine weiße Haarsträhne und die roten Bäckchen. Sie gehören zu ihr wie zu mir.

Fun Fact: Die weiße Strähne zeichne ich auf der falschen Seite. Das hat sich irgendwann so ergeben, und jetzt bleibt es so. :-)

Mein Mini-Me trägt außerdem Dinge, die ich selbst nie anziehen würde. Leo-Leggings zum Beispiel. Ich würde sie nicht tragen.

Das Mini-Me kann es.

Die Kleidung zeichne ich ziemlich detailgetreu, mit Nähten und allem. Das ist ein Überbleibsel aus meiner Schneiderlehre und meinem Modedesignstudium, das geht einfach nicht raus aus meinen Fingern.

Farblich bleibe ich am liebsten bei meiner Braun-Palette. Es gab ein paar bunte Ausnahmen, aber immer in einem Farbschema. Vor kurzem sind die ersten Mini-Mes auf Neon-Hintergrund entstanden. Wenn schon Farbe, dann richtig.

Und ganz oft sitzen der Fuchs und meine Kaffeetasse mit im Bild.



Wie mein Mini-Me entstanden ist


Ich zeichne, seit ich einen Stift halten kann. Und ich bin meiner Mom unendlich dankbar, dass sie meine Liebe zur Kunst immer unterstützt hat.

Ich wollte zeichnen, zeichnen, zeichnen? Okay, mit fünf Jahren meldete sie mich im Zeichenzirkel an. Ich wollte besser werden? Okay, dann ging es auf eine höhere Zeichenschule. Ich wollte Modedesign studieren? Okay. Just do it.

Gezeichnet habe ich mich schon als Kind. Großen Einfluss hatten zwei japanische Austauschschülerinnen in meiner Klasse, Kumiko und Miwako. Keine Schwestern, sondern Freundinnen, deren Eltern in Deutschland arbeiteten. Kumiko mochte ich besonders.

Ich liebte es, ihr beim Zeichnen zuzuschauen und ihren Stil mit den Augen zu mopsen: eckige Kopfformen, große Augen, kleine Zöpfe und ein Körper, der um einiges kleiner war als der Kopf. Viele Jahre später tauchten diese Figuren als Modefigurinen in meinem Studium wieder auf.

Einen eigenen Stil hatte ich lange nicht. Ich probierte ständig Neues aus, Skizze um Skizze, und so richtig glücklich machte mich das nicht. Meine Freundin Melanie hatte ihren Stil gefunden, dachte ich immer. Ich noch nicht.

Auch mit meinem eigenen Label zeichnete ich nur, um Ideen für die Kollektion festzuhalten. Mit einem Mini-Me hatte das nichts zu tun.

Wiederentdeckt habe ich sie erst viele Jahre später. Ich hatte gerade mit dem Buch „Der Weg des Künstlers“ von Julia Cameron angefangen und schrieb jeden Morgen meine Morgenseiten. In einem Geschenk meiner Freundin Andrea, einem leeren Tagebuch, lag ein Zettel mit Sketchnote-Zeichnungen. Plötzlich hatte ich das Bedürfnis, meine Gedanken nicht nur aufzuschreiben, sondern auch in kleinen Skizzen festzuhalten.

Ich startete den 5-Uhr-Club und suchte nach Wegen, neue Kreativtechniken in meine Morgen einzubauen. So kamen die Domestika-Kurse zu mir: zuerst Sketchnoting mit Eva-Lotta, später Illustriertes Tagebuch mit Kate Sutton und Kreatives visuelles Tagebuch mit Pepita Sandwich.

Und wenn der Fokus erst einmal irgendwo ist, fällt dir plötzlich überall Passendes auf. Auf Pinterest bewunderte ich die Zeichnungen der Berliner Künstlerin Laura Klinke und die Little Ones von Dina.

Nach und nach entstanden meine Mini-Mes. Sie waren nicht sofort da.

Sie entstanden Schritt für Schritt.

Wie das mit dem Weg des Künstlers genau lief, habe ich dir hier ausführlich aufgeschrieben.


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Wie hilft mir mein Mini-Me in schweren Zeiten?


Mein Mini-Me gibt meiner Angst einen Platz: auf dem Papier statt in meinem Kopf.

Als es meiner Mom schlecht ging

Richtig geholfen hat mir mein Mini-Me, als es meiner Mom schlecht ging.

Eigentlich war es eine Routine-OP. Danach wurde sie immer schwächer, bis sie in die Notaufnahme kam. Im Krankenhausflur sprach ein Arzt von einem Verdacht, der ihre Lunge betraf. Ich habe den Begriff danach gegoogelt.

Und war geschockt.

Schreiben allein hat in dieser Zeit nicht gereicht. Also habe ich in meinem visuellen Tagebuch gezeichnet. Meine Besuche im Krankenhaus. Mich, wie ich den Garten meiner Mom gieße. Die schweren Gespräche. Und irgendwann die Erleichterung, als klar war: Es ist „nur“ eine Lungenentzündung.

Meine Zeichnungen haben meine Gedanken gehalten. Sie haben meine Ängste rausgelassen und meiner Angst einen Platz gegeben. Auf dem Papier statt in meinem Kopf.

Zeichnen hat mich schon immer beruhigt. In dieser Zeit habe ich gespürt, wie sehr.

Genau deshalb ist es mir eine Herzensangelegenheit, das weiterzugeben. Ich weiß, wie viel mein Mini-Me für meine seelische Gesundheit bedeutet.



Wie zeichne ich mein erstes Mini-Me?


Du brauchst einen Bleistift, einen Fineliner und einen Kreis, der Rest kommt Schritt für Schritt.

In jedem Workshop höre ich mindestens einmal diesen Satz: „Ich kann nicht zeichnen.“

Meine Antwort: Doch. Du sagst ja auch nicht, du kannst nicht sprechen, nur weil du kein Synchronsprecher bist. Und wenn überhaupt, dann kannst du NOCH nicht zeichnen. Denn das lässt sich lernen.


Also: keine Angst vorm weißen Papier. So zeichne ich mein Mini-Me:

  1. Schnapp dir einen Bleistift. Ich zeichne immer vor.

  2. Zeichne einen Kreis für den Kopf und such die Linien. Bei mir kommt obendrauf der Dutt.

  3. Darunter kommt ein kleinerer, eher quadratischer Körper.

  4. Jetzt das Gesicht, die Arme und die Beine. Hände dürfen ohne Finger bleiben, zwei oder drei reichen auch.

  5. Zieh deinem Mini-Me etwas an.

  6. Nimm den Fineliner und zeichne alles nach. Zum Schluss setze ich die Nähte an die Kleidung.

  7. Wenn du magst, schreib noch ein Wort oder eine kleine Notiz dazu.


Und dann spiel mit der Haltung. Brust raus, und dein Mini-Me wirkt selbstbewusst. Blick nach unten, und es wird schüchtern. Arme hoch, und es strahlt vor Glück. So zeigt deine kleine Figur ganz ohne Worte, wie es dir geht.


Anleitung Mini-Me zeichnen: Schritt für Schritt vom Kreis mit Dutt über Körper, Arme und Beine bis zur fertigen Figur, dazu verschiedene Haltungen

Das Wichtigste steht direkt auf meiner Tafel: Vergiss Proportionen! Hab Spaß.



Häufige Fragen zum Mini-Me


Was ist ein Mini-Me beim Zeichnen?

Ein Mini-Me ist eine kleine gezeichnete Figur von dir selbst. Sie hat meist einen großen Kopf, einen kleinen Körper und ein paar typische Merkmale von dir. Vorallem macht sie deine Gefühle sichtbar.


Was ist der Unterschied zwischen Mini-Me und Selbstporträt?

Ein Selbstporträt zeigt realistisch, wie du gerade aussiehst. Ein Mini-Me ist vereinfacht und zeigt, wie es dir geht und was um dich herum passiert.


Wie zeichne ich mein erstes Mini-Me?

Mit Bleistift einen Kreis für den Kopf, darunter einen kleineren Körper, dann Gesicht, Arme, Beine und Kleidung. Zum Schluss mit Fineliner nachzeichnen. Proportionen sind egal.


Muss ich zeichnen können, um ein Mini-Me zu zeichnen?

Nein. Ein Mini-Me besteht aus einfachen Formen. Und Zeichnen lässt sich lernen, wie Sprechen auch.


Wofür kann ich mein Mini-Me nutzen?

Ich nutze meins für „About the Day“, Wochenrückblicke, mein visuelles Tagebuch und um schwere Gefühle wie Angst aufs Papier zu bringen.



Hab Mut und fang einfach an


Dein erstes Mini-Me muss nicht perfekt sein. Meins war es auch nicht. Bei mir hat es Jahre gedauert, bis sie so aussah wie heute.

Hab Mut und fang einfach an. Dein Mini-Me verändert sich so wie du dich.

Jede Woche gibt es kreative Impulse in meinem Newsletter. Trag dich gern ein, ich freu mich auf dich.


Alles Liebe - Karina 🤍



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Über mich

Hi, ich bin Karina Röpcke.

Ich bin Künstlerin, Bloggerin und Kreativberaterin aus Leipzig. Ich gebe Mal- und Kreativ-Workshops, illustriere für Unternehmen und liebe es vor allem, Menschen beim kreativen Arbeiten zum Strahlen zu bringen. Mit meinen Mini-Mes, kleinen gezeichneten Figuren meiner selbst, verbinde ich Kunst und mentale Gesundheit auf ganz eigene Weise. Meine Überzeugung: Jeder Mensch ist kreativ. Man muss sich nur wieder daran erinnern.

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