Comics für die Seele – warum Zeichnen mich heilt
- Karina Röpcke
- vor 4 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 11 Stunden

Kurz vor Weihnachten war ich in der Bücherabteilung direkt am Eingang meines Lieblings-Künstlerbedarfs. Eigentlich wollte ich nur Fineliner kaufen. Und dann blieb ich stehen.
Ein Buch. Bunt, auffällig, laut ... als würde es mich rufen.Ich nahm es in die Hand, blätterte darin, betrachtete die Zeichnungen. Fast ausschließlich Frauen. Starke Frauen. Ich legte es zurück.
Drei Fineliner wanderten in meinen Korb. Dazu ein kleiner Zeichenblock im Format 15 × 15 cm, mein aktuelles Lieblingsformat. Und trotzdem kam ich immer wieder zu diesem Buch zurück. Ich nahm es erneut in die Hand, las einzelne Abschnitte. Sah Bilder. Und merkte, wie etwas in mir in Resonanz ging. Es hat mich berührt.
Ich kaufte das Buch am Ende nicht. Aber ich nahm etwas anderes mit: den Wunsch, mit meiner eigenen Kunst etwas zu bewegen. Gedanken sichtbar zu machen. Gefühle, für die Worte oft nicht reichen.
In diesem Artikel erzähle ich, warum Zeichnen mich heilt und welche Rolle Comics für meine mentale Gesundheit spielen.
Comics für die Seele – warum sie uns so tief erreichen |
Manchmal ist es einfacher, etwas zu zeichnen, als es auszusprechen. |
Inhaltsverzeichnis
Meine Comic-Kindheit
Ich bin ein DDR-Kind. Die Auswahl an Comics war begrenzt.
Es gab die FRÖSI, die Bummi, die Mosaik-Hefte ... und das war es in meiner Erinnerung auch fast schon.
Mit der Wende, ich war 11, änderte sich alles. Plötzlich gab es Mickey Mouse, Donald Duck, bunte Hefte und Taschenbücher. Ich konnte es kaum erwarten zum Zeitschriftenkiosk zu laufen, zückte mein Taschengeld und hütete zu Hause angekommen meine Comics wie einen Schatz.
Ich liebte diese Welten, die Abenteurer meiner Superhelden. Stundenlang war ich darin versunken. Und dann wurde ich erwachsen. Und irgendwo auf dem Weg ging das Interesse an Comics verloren.
Wie Comics leise in mein Leben zurückkamen
Das Wort „Comic“ kam mir erst im letzten Jahr wieder bewusst in den Sinn.
Ich wurde gefragt, ob ich für ein großes Unternehmen digitale Comics zeichnen würde.
Meine erste Reaktion: Puh … noch nie gemacht. Meine zweite: Wenn sie es mir zutrauen, warum nicht?
Ganz ehrlich: „Noch nie gemacht“ stimmte nicht ganz. Ich hatte es nur anders genannt. Seit ich Morgenseiten schreibe, tauchten immer mehr kleine Figuren auf. Erst im Sketchnote-Stil, dann als kleine Szenen. Ich nenne sie liebevoll meine Mini-Mes, kleine Versionen von mir, die meinen Alltag, meine Gedanken und Gefühle festhalten.
Wenn ich zeichne, werde ich ruhiger. Die Kombination aus Wort und Bild drückt oft mehr aus als Text allein.

Comics & mentale Gesundheit
„Wenn du etwas hörst, wirst du es vergessen. Wenn du etwas siehst, wirst du dich erinnern. Aber wenn du etwas machst, wirst du es verstehen.“— chinesisches Sprichwort
Wenn ich zeichne, heilt etwas in mir. Ich verarbeite, lasse los, zeichne ohne Perfektionismus. Es ist nichts Abstraktes. Es passiert jedes Mal, wenn ich den Stift ansetze.
Zu einem Artikel über meine Autofahrangst habe ich Zeichnungen veröffentlicht. Das Feedback war überwältigend. Menschen fühlten sich gesehen. Sie schrieben mir, dass es ihnen genauso geht.
Auch in den sozialen Medien sehe ich es immer wieder: Comics zu Themen wie mentale Gesundheit, Frauenrechte, Genderpolitik oder Rassismus. Keine Themen sind zu schwer und doch werden sie durch Bilder zugänglicher.
Pepita Sandwich, eine in Argentinien geborene Illustratorin, bildende Künstlerin und Cartoonistin, die ich über einen Domestika-Kurs entdeckt habe, hat sogar ein ganzes Buch über Die Kunst des Weinens geschrieben. In ihrem liebevoll illustrierten Buch taucht sie tief in die Welt der Tränen ein – wissenschaftlich, historisch und menschlich. Und sie erinnert daran, dass im Zulassen von Gefühlen oft mehr Kraft steckt, als wir denken. Ich bewundere ihre Arbeit sehr.
Wie und was ich zeichne
Alltägliches
Ich zeichne Geschichten aus dem Leben: wie ich mir die Haare wasche, mein Kaffeebedürfnis, kleine Streits, Beobachtungen im Alltag, Gespräche zwischen Eltern und Kindern, Zitate oder Meditationen.
Ich mache mir Gedanken darüber, wie ich Alltagssituationen darstellen kann. Schon beim Überlegen, wie ich sie manchmal auch witzig zeichnen werde, beginne ich zu schmunzeln und allein das schenkt mir ein gutes Gefühl.


Sorgen & Ängste
Ob Autofahrangst, finanzielle Sorgen oder der Umgang mit meinem „Mr. Money“, vieles landet in meinem visuellen Tagebuch.
Als meine Mutter 2024 schwer erkrankte, war das tägliche Zeichnen unser Treffen mein Anker. Schreiben allein reichte nicht. Zeichnen beruhigte mich.


Warum ich nicht nur für mich zeichne
Ich möchte aufklären. Durch meine eigene Geschichte, Persönlichkeitsentwicklung und meine Heilpraktiker-Ausbildung habe ich viel Wissen gesammelt, das ich teilen möchte.
Ich möchte Trost geben.
Und sagen: Ich sehe dich. Du bist nicht allein.

Buchempfehlungen
Lynda Barry – Syllabus / Making Comics
Ellen Forney – Meine Tassen im Schrank. Depressionen, Michelangelo und ich
Julia Cameron – Der Weg des Künstlers
Liv Strömquist – Der Ursprung der Welt (Gesellschaft & Comic)
Fazit
Zeichnen erfüllt mich. Es beruhigt, sortiert und heilt.
Es ist für mich eine Mischung aus Nostalgie, innerem Kind und tiefer Verbindung zu mir selbst.
So wie das Buch im Künstlerbedarf etwas in mir bewegt hat, möchte ich mit meiner Kunst etwas in anderen bewegen.
Wenn du dir ein Thema wünschst, das ich zeichnend und schreibend aufgreifen soll, schreib mir gern. Vielleicht geht es um mentale Gesundheit, um Depression, um den Umgang mit Streit in Partnerschaften, um Frauenrechte, mentale Last oder ungleiche Verteilungen im Alltag. Oder um etwas ganz anderes, das dich gerade bewegt. Ich lese mit und nehme es mit an meinen Zeichentisch.
Alles Liebe – Karina 🤍





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