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Was sind Morgenseiten? Meine ehrliche Erfahrung mit der Methode von Julia Cameron

Aktualisiert: vor 10 Stunden

Collage aus drei Bildern: Ein weißes Notizbuch neben einem braunen Glasvase mit Trockenblumen auf hellem Untergrund. Ein cremefarbener Teppich mit Licht- und Schattenspielen von Pflanzen. Aufgeschlagenes Sketchbook mit handgezeichneten Mini-Me-Illustrationen, die Reiseerlebnisse und Alltagsszenen festhalten, darunter eine Bahnfahrt ab Leipzig Hbf und ein Brunch & Paint Event.


Drei Seiten. Jeden Morgen. Von Hand.

Das war mein erster Gedanke, als ich im Zug von Hamburg nach Leipzig saß und die ersten Seiten von "Der Weg des Künstlers*" las: Wie soll das gehen? Was soll ich da schreiben? Und warum ausgerechnet drei Seiten?

Ich hatte das Buch kurz zuvor in einer kleinen Buchhandlung in der Marktstraße gefunden, nahe der U-Bahn-Station Feldstraße. Mit meiner Freundin Vivi war ich durch Hamburg geschlendert, und es lag da, als hätte es auf mich gewartet.

Am 17. Juni 2024 schrieb ich meine ersten Morgenseiten. Was danach passierte, hat mich selbst überrascht.


Das Wichtigste in Kürze

Was sind Morgenseiten? 

Drei handgeschriebene Seiten, die du jeden Morgen als erstes schreibst, unzensiert, ohne Struktur, ohne Bewertung. Die Methode stammt von Julia Cameron aus ihrem Buch "Der Weg des Künstlers" (1992).

Wer hat Morgenseiten erfunden? 

Julia Cameron, US-amerikanische Autorin, Künstlerin und Kreativ-Coach.

Was bringen Morgenseiten? 

Sie sortieren Gedanken, bauen Stress ab, räumen mentalen Nebel weg und öffnen den Weg zur eigenen Kreativität.

Wie lange dauern Morgenseiten? 

Je nach Schreibtempo 20-40 Minuten.

Darf ich Morgenseiten tippen? 

Julia Cameron empfiehlt ausdrücklich Handschrift. Der Stift auf dem Papier hat eine andere Wirkung als die Tastatur.


Inhaltsverzeichnis





Was sind Morgenseiten, und warum klingen sie so simpel?


Morgenseiten sind drei handgeschriebene Seiten, die du jeden Morgen schreibst. Direkt nach dem Aufstehen, bevor der Tag dich einholt. Keine Struktur, keine Vorgaben, keine Bewertung. Sozusagen direkt vom Kopf aufs Blatt.


Julia Cameron beschreibt es so:

"Damit Sie Ihre Kreativität fördern können, müssen Sie sie zunächst einmal finden. Um dieses Ziel zu erreichen, bitte ich Sie, ein auf den ersten Blick sinnloses Verfahren anzuwenden: das Schreiben der Morgenseiten." Julia Cameron, Der Weg des Künstlers

Sinnlos. Sie sagt es selbst.

Und trotzdem hat diese Methode seit 1992 unfassbar vielen Menschen geholfen: Künstlerinnen, Führungskräften, Menschen in Krisen, Menschen, die einfach wieder zu sich selbst finden wollten.

Der Kern ist simpel: Du schreibst. Alles. Was in deinem Kopf ist. Unzensiert. Drei Seiten voll.



Woher kommen Morgenseiten? Julia Cameron und "Der Weg des Künstlers"


Morgenseiten stammen aus dem Buch "Der Weg des Künstlers - Ein spiritueller Pfad zur Aktivierung unserer Kreativität" von Julia Cameron, erschienen 1992.

Das Herzstück des Buches: ein Zwölf-Wochen-Programm mit zwei Werkzeugen. Jeden Morgen drei handgeschriebene Seiten, die Morgenseiten. Und einmal pro Woche ein Kreativtreff mit dir selbst, etwas, das nur dir gehört.

Kein klassischer Ratgeber. Kein "5 Tipps für mehr Kreativität". Eher ein Begleiter, der ganz zart fragt: Was wolltest du eigentlich schon immer tun?

Ich beschreibe es gerne als meine kreative Bibel.


Handgezeichnetes Buchcover von Karina Röpcke und ihrem Mini-Me: Julia Cameron, Der Weg des Künstlers – ein Mädchen lehnt daran, vor cremefarbenem Hintergrund.


Warum genau 3 Seiten? Steckt da ein System dahinter?


Ja. Und nein.

Julia Cameron empfiehlt drei Seiten, weil die ersten anderthalb Seiten meistens "Oberflächen-Gedanken" sind. Der Einkaufszettel, die E-Mail, die du noch schreiben solltest, das Gespräch von gestern, das dich noch beschäftigt.

Erst danach, wenn der Kopf sich leer geschrieben hat, kommen die ehrlichen Sätze. Die, die du dir selbst eigentlich nicht sagen wolltest. Die, die wichtig sind.

Drei Seiten sind genug, um wirklich anzukommen. Und nicht so viel, dass es sich wie eine Aufgabe anfühlt.

Dazu gibt es eine konkrete Notlösung für Tage, an denen dir gar nichts einfällt: Schreib dasselbe Wort, bis die drei Seiten voll sind. Klingt absurd. Funktioniert.



Was ist der Unterschied zwischen Morgenseiten und einem Journal?


Das ist die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird. Und es ist ein echter Unterschied.

Strukturierte Journale wie das 6-Minuten-Tagebuch oder das Higher-Self-Journal von Laura Malina Seiler arbeiten mit vorgegebenen Fragen und Prompts. "Wofür bin ich heute dankbar?" "Was möchte ich heute erreichen?" Diese Struktur ist hilfreich, wenn du nicht weißt, wo du anfangen sollst. Sie gibt dir Halt.


Geöffneter Planer mit handschriftlichen Notizen zu Dankbarkeit und Tagesfragen auf hellem Tisch.

Ein Eintrag in mein 6-Minuten-Tagebuch vom 11. Oktober 2023, dem Tag meiner schriftlichen Überprüfung zum HPPsych.


Morgenseiten haben keine Fragen. Keine Vorgaben. Keinen Halt.

Das ist genau der Punkt. Du schreibst, was ist. Nicht, was sein sollte. Nicht, was sich gut anhört. Sondern das echte, ungeordnete, manchmal chaotische Innere. Ich nutze beide. Das eine ergänzt das andere. Aber sie fühlen sich grundverschieden an.



Morgenseiten

Strukturiertes Journal

Vorgaben

Keine

Ja, Prompts und Fragen

Länge

3 Seiten

Meist 1-2 Seiten

Wann

Morgens, als erstes

Flexibel

Ziel

Gedanken rauslassen, Klarheit

Reflexion, Dankbarkeit, Ziele

Format

Fließtext, unzensiert

Antworten auf Fragen



Meine ehrliche Erfahrung: Was Morgenseiten mit mir gemacht haben


Als Kind habe ich Tagebuch geschrieben. Das Cover war niedlich, irgendetwas mit Blumen, rosa, mit einem kleinen silbernen Schloss und einem dazugehörigen Schlüssel. Ich habe es nie zu Ende geschrieben. Ein paar Zeilen, dann verlor ich die Lust. Wiedergefunden, gleiche Geschichte.

Ich dachte, ich bin einfach kein Tagebuch-Mensch.

Dann kam "Der Weg des Künstlers". Und etwas war anders.

Ich glaube, es war das Fehlen jeder Erwartung. Kein Schloss, das ich aufmachen musste. Kein leeres weißes Buch, das auf etwas Bedeutsames wartete. Nur drei Seiten. Täglich. Fertig.


Am 17. Juni 2024 schrieb ich die ersten Zeilen:

"Meine ersten Morgenseiten! 17.06.2024. Ich habe gerade dieses schöne Notizbuch entdeckt. Ich hab es vor fast zwei Jahren, an meinem Geburtstag, von Andrea geschenkt bekommen. Wir haben uns zum Frühstück in Altona getroffen. Lange stand es neben meinen anderen Notizbüchern. Ich nehme es aus dem Schrank und die Überschrift auf dem Cover: everyday adventures." Karina Röpcke, erste Morgenseiten, 17. Juni 2024

Passt, dachte ich.

Was dann folgte: Ich schrieb täglich. Mal drei Seiten voller Gedanken, mal eine halbe Seite To-do-Liste (ja, das mache ich leider immernoch). Ich stellte mir Fragen, die ich mir sonst nie gestellt hätte. Ich fing an, meine Gefühle zu benennen, nicht nur meine Gedanken. Ich fragte mich, wo ich Emotionen in meinem Körper spüre.

Das Gefühl des "Getrieben-seins" am Morgen, dieses innere Unruhe-Kribbeln, das mich manchmal schon beim Aufwachen erwischte? Es verschwand.

Als meine Mutter im Sommer 2024 ins Krankenhaus musste und die Tage schwerer wurden, als die Worte es konnten, wusste ich: Ich brauche die Seiten.


"Angst ist das, was einen Künstler blockiert. Die Morgenseiten räumen die Angst beiseite." Julia Cameron, Der Weg des Künstlers

Sie hatten recht.

Und noch etwas passierte: Aus meinen Seiten tauchten Figuren auf. Kleine, strichmännchenartige Gestalten, die meine Gedanken zeichnerisch festhielten. Daraus wurden meine Mini-Mes, meine selbstgezeichneten Figuren, die heute in meinen Blogartikeln aufklären, Gefühle ausdrücken und mein Erlebtes festhalten. Morgenseiten haben meine Mini-Mes in die Welt gebracht. Das hätte ich nie gedacht.


Illustration eines Mädchens (Karina Röpckes Mini-Me) mit Dutt, das sich zu einem kleinen Papierboot beugt; rosafarbene Punkte und Herz auf hellem Papier.

Mein Mini-Me aus meinem visuellen Tagebuch.


Was können Morgenseiten für dich tun?


Du musst keine Krise haben, um mit Morgenseiten anzufangen. Du musst auch keine Künstlerin sein. Julia Cameron hat diese Methode für alle entwickelt, die das Gefühl haben, dass da noch etwas in ihnen steckt, das raus möchte.

Morgenseiten können dir helfen, wenn du:

  • morgens mit einem vollen Kopf aufwachst und nicht weißt, wo du anfangen sollst

  • das Gefühl hast, getrieben zu sein, ohne Pause, ohne Klarheit

  • kreativ sein möchtest, aber nicht weißt wie oder wo

  • Gedanken und Gefühle trennen möchtest

  • einfach einen Ort brauchst, der nur dir gehört

Sie sind kein Wundermittel. Manche Tage fühlen sich leer an. Manche Seiten lesen sich später wie eine Einkaufsliste. Das ist völlig in Ordnung.

Aber über Wochen und Monate entsteht etwas. Eine ehrlichere Beziehung zu dir selbst.


Kerzen in Glasgefäßen auf einem hellen Holztisch neben Notizblock und Stift; ruhige, gemütliche Stimmung.


FAQ: Häufige Fragen zu Morgenseiten


Muss ich jeden Tag Morgenseiten schreiben?

Julia Cameron empfiehlt es täglich, ohne Ausnahme. In der Praxis gilt: Dranbleiben ist wichtiger als Perfektion. Wenn du einen Tag aussetzt, fang am nächsten einfach wieder an.


Was schreibe ich, wenn mir nichts einfällt?

Schreib genau das: "Mir fällt nichts ein." Oder schreib dasselbe Wort immer wieder, bis die Seiten voll sind. Der Punkt ist, die Hand zu bewegen und den Kopf zu leeren, nicht literarische Meisterwerke zu produzieren.


Darf ich meine Morgenseiten jemals lesen?

Julia Cameron empfiehlt, die ersten acht Wochen nicht zurückzublättern. Die Morgenseiten sind zum Rauslassen da, nicht zum Analysieren. Ich halte mich meistens daran. :-)


Wie viel Zeit brauche ich für Morgenseiten?

Je nach Schreibtempo 20-40 Minuten. Ich schreibe nach meinem Yoga-Call, mit einer kleinen Kerze auf dem Schreibtisch.


Können Morgenseiten als Therapieersatz dienen?

Nein. Morgenseiten sind ein kreatives Werkzeug, keine therapeutische Methode. Bei ernsteren psychischen Belastungen empfehle ich professionelle Unterstützung, und behalte die Morgenseiten als Ergänzung.


Was brauche ich, um mit Morgenseiten zu starten?

Ein Notizbuch, einen Stift, drei Seiten Zeit. Das war's.

Vielleicht liest du das gerade und denkst: Drei Seiten? Jeden Morgen? Was soll ich da nur schreiben? Ich habe genau das gedacht. Dann griff ich trotzdem zum Stift. Und mache es bis auf wenige Ausnahmen noch heute.

Wenn du Lust bekommen hast, dein kreatives Inneres ein bisschen mehr zu erkunden, schau dir gerne mein kostenloses Starter-Kit an. Es ist kein Kurs über Morgenseiten, aber ein erster Schritt in deine eigene kreative Praxis: dein erstes Mini-Me zeichnen. Du zahlst keinen Euro dafür, nur deine E-Mail-Adresse. Dafür bekommst du von mir jeden Donnerstag ein bisschen von mir in dein Postfach. :-)



Und wenn du magst, begleite mich jeden Donnerstag per Newsletter. Dort schreibe ich über Kreativität, mentale Gesundheit und das Leben als Künstlerin in Leipzig.


Alles Liebe – Karina 🤍



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*unbezahlte Werbung für alle Bucherwähnungen

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Über mich

Hi, ich bin Karina Röpcke.

Ich bin Künstlerin, Bloggerin und Kreativberaterin aus Leipzig. Ich gebe Mal- und Kreativ-Workshops, illustriere für Unternehmen und liebe es vor allem, Menschen beim kreativen Arbeiten zum Strahlen zu bringen. Mit meinen Mini-Mes, kleinen gezeichneten Figuren meiner selbst, verbinde ich Kunst und mentale Gesundheit auf ganz eigene Weise. Meine Überzeugung: Jeder Mensch ist kreativ. Man muss sich nur wieder daran erinnern.

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